Am 23. März 2021 fand zum 19. Mal das Seminar „Aktuelle Fragen der Durchstrahlungsprüfung und des Strahlenschutzes“ statt. Aufgrund der coronabedingten Kontaktbeschränkungen im Frühjahr 2021 trafen sich die 78 Teilnehmenden und acht Vortragenden online, um sich über Änderungen zu informieren und aktuelle Entwicklungen zu diskutieren.
Der Vormittag widmete sich dieses Mal dem Strahlenschutz und den Änderungen in der Gesetzgebung. Der zweite Seminarteil am Nachmittag beschäftigte sich mit den Anwendungen der Durchstrahlungsprüfung und der Computertomographie (CT) in der Industrie sowie den neuesten Entwicklungen im Bereich der Normung. Inhaltlich verantwortlich für das Seminar waren die Fachausschussvorsitzenden Charlotte Kaps (Fachausschuss Strahlenschutz und Transport radioaktiver Stoffe, DGZfP) und Dr. Uwe Ewert (Fachausschuss Durchstrahlungsprüfung).
Die Vortragsession zum Thema Strahlenschutz musste kurzfristig umgestaltet werden, da ein geplanter Vortrag über die SEWD-Richtlinie „Sicherung von sonstigen radioaktiven Stoffen“ nur im Rahmen einer Präsenzveranstaltung hätte stattfinden können.
Strahlenschutz in Zeiten von Corona: E-Learning und Einsatz audiovisueller Medien
Dr. Jan-Willem Vahlbruch (Institut für Radioökologie und Strahlenschutz (IRS) der Leibnitz-Universität Hannover) hatte sich kurzfristige bereit erklärt, über „Strahlenschutz in Zeiten von Corona“ zu referieren. Der Schwerpunkt seines Vortrags lag dabei auf den Unterweisungen, denen mit den neuen Rechtsvorschriften im Strahlenschutz noch einmal mehr Bedeutung beigemessen wurde. Vor eine besondere Herausforderung wird die oder der Strahlenschutzbeauftragte hierbei beim Einsatz moderner Medien gestellt. E-Learning und die Nutzung audiovisueller Medien sind zwar gemäß § 63 StrlSchV Absatz 3 möglich, müssen aber von der zuständigen Behörde zugelassen werden. In einer Zeit, in der Versammlungen jeglicher Art vermieden werden sollten, eine zusätzliche Herausforderung für die zuständigen Landesbehörden und die Strahlenschutzbeauftragten.

Änderungen im ADR 2021
Den zweiten Vortrag des Seminartages hielt Hans-Hubert Glock (GTS Sicherheitsberatung) zum Thema „Das neue ADR 2021; was ändert sich für die Mitglieder der DGZfP“. Jene, die in der ZfP radioaktive Stoffe befördern, dürfte bekannt sein, dass das ADR (Gefahrgutvorschriften für die Straßenbeförderung) alle zwei Jahre einer Revision unterzogen wird. Hans-Hubert Glock berichtete über die Änderungen im ADR 2021, die ab dem 1. Juli 2021 umgesetzt werden müssen. Im ADR spielt das Thema Sicherung dieses Mal eine besondere Rolle. So wurden u. a. die aktuellen IAEO-Regelungen „Vorbereitung und Reaktion auf nukleare oder radiologische Notfälle“ (IAEA Safety Standards Series No. GSR Part 7) als Leitlinien ins ADR aufgenommen.
Feuerwehreinsatz oder die Suche nach einem Strahlerhalter
Peter Sieber (Feuerwehrakademie Hamburg) beendete die Strahlenschutz-Session mit seinem Vortrag „Feuerwehreinsatz am 15.04.2020 in Hamburg“. Die Arbeitsgeräte für die Gammaradiographie (Gammaarbeitsgeräte) werden seit Jahrzehnten sicher auf der ganzen Welt eingesetzt. Dennoch kommt es hin und wieder zu technischen Defekten an den Geräten. Peter Sieber berichtete in seinem Vortrag, wie die Feuerwehr bei Einsätzen zur Quellenbergung vorgeht und welche Hilfsmittel ihr zur Verfügung stehen. Er erklärte dies anhand eines Vorfalls aus dem vergangenen Jahr. Auf einer Raffinerie in Hamburg hatte sich im Verlauf von Durchstrahlungsarbeiten ein Strahlerhalter von der Fernbedienung gelöst und war aus der Strahlerführung bzw. Ausfahrspritze gefallen. Ein metallisches Objekt von wenigen Zentimetern Länge auf einem Raffineriegelände zu finden, war eine überaus anspruchsvolle Aufgabe für alle Beteiligten. Mit Hilfe hochauflösender Fotos einer Drohne konnte der Strahlerhalter am Ende ausgemacht und ohne hohe Strahlendosen für die Beteiligten geborgen werden.
Mit eindrucksvollen Bildern endete der Seminarvormittag und wie immer lässt sich sagen, dass die Arbeit der Strahlenschutzbeauftragten nicht langweilig wird.
Fahrzeug-CT nach Crashtests
Die zweite Session zum Thema Durchstrahlungsprüfung beschäftige sich zu Beginn mit modernen Methoden der Prüfung von Fahrzeugen. Dr. Malte Kurfiß (Fraunhofer Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut, EMI) hielt den Einführungsvortrag „Kurzzeitdynamisches Röntgen für Crashtests“. Dabei kommen High-Power-Röntgenblitzanlagen (450 kV) zum Einsatz und Aufnahmen mit Belichtungszeiten von einigen nano-Sekunden mit einer Zeitauflösung im milli-Sekundenbereich erstellt, die den Schadensverlauf dynamisch wiedergeben.
Um kompakte Fahrzeugteile zu untersuchen, werden seit kurzem auch gepulste Linearbeschleuniger (1 kHz) eingesetzt. Die Untersuchungen erfolgen in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Entwicklungszentrum Röntgentechnik, EZRT . Michael Salamon vom EZRT stellte die Arbeiten zu „Ganzfahrzeug-Computertomographie zur Analyse der strukturellen Verformungen nach Crashtests“ vor. Die Ganzfahrzeug-CT nach dem Crashtest ermöglicht die Analyse der Schäden ohne mechanisches aufschneiden der Fahrzeuge, was immer zu ungewollten Veränderungen bzw. Verfälschungen der Bewertung führen kann.
Untersuchungen mit Phasenkontrast
Zu den neuen Werkzeugen in der Durchstrahlungsprüfung gehören die höchstauflösenden Untersuchungen mit Phasenkontrast. Das kann sowohl mit Synchrotron-Strahlung als auch im Labor durchgeführt werden. Hochinteressant sind die Untersuchungen mit der Talbot-Lau-Methode, die es gestattet, Rissfelder zu finden mit Rissöffnungen im Subpixelbereich. Derartige Untersuchungen sind mit der konventionellen Mikro- und Nano-Radiographie kaum möglich. Prof. Johann Kastner (FH Oberösterreich) gab einen Überblick zu Untersuchungen mittels „Computertomografie mit Absorptions- und Phasenkontrast für die Materialcharakterisierung und für die Additive Fertigung“ mit hochinteressanten Anwendungsbeispielen.
Die Radiographie und CT im Zeichen der Digitalisierung
Heute ist Industrie 4.0 und ZfP 4.0 in aller Munde. Ein Kernelement ist die Digitalisierung. „Beyond Quality Inspection – Die Radiographie und CT im Zeichen der Digitalisierung“ war der Titel des Vortrags von Christian Driller (YXLON), in dem er die Teilnehmenden über moderne Strategien der Implementierung von Radiographie- und CT-Anlagen in den Produktionsprozess informierte.
Aktuelle Entwicklungen in der Normung
Traditionell sprach Dr. Uwe Ewert als Mitglied und Obmann verschiedener Normausschüsse zum Thema „Aktuelle Entwicklungen in der Normung“. Er informierte über Neues in der Durchstrahlungsprüfung und CT bei DIN, CEN, ISO und ASTM. Während die deutsche Beteiligung an der amerikanischen Normung in den Durchstrahlungsgremien (RT) bei ASTM weiterhin gut ist, kann das leider nicht für die Mitarbeit im deutschen Spiegelgremium des DIN (NA 062-08-22) und bei CEN und ISO gesagt werden. Ein technischer Umbruch zeichnet sich bei der Revision der RT-ISO-Normen zur Schweißnahtprüfung und CT ab. Bei ASTM gibt es darüber hinaus neue Projekte zur CT und zur Prüfung von additiv gefertigten Bauteilen sowie ein Normprojekt zur „Automatischen Defekterkennung“.

Das nächste D&S-Seminar findet 2023 statt – dann hoffentlich wieder in Präsenz, sodass auch der persönliche Austausch möglich ist. Die Fachausschussvorsitzenden bedanken sich bei allen Beteiligten für die trotz widriger Umstände gelungene Veranstaltung.
Die zur Veröffentlichung freigegebenen Beiträge können auf der Tagungshomepage heruntergeladen werden.
Charlotte Kaps, Uwe Ewert